2 Woche

Montag, 13.6.2016

Wieder ist ein schöner Tag voller Ereignissen, Sehenswürdigkeiten, Erholung und doch stressigen Situationen vorüber. Ziel haben wir wie immer keines. Dort wo es uns gefällt bleiben wir, ansonsten fahren wir weiter.
Von Anfang an: um sieben Uhr werden wir von ankommenden Motorradfahrern geweckt. Bevor wir losfahren, habe ich mir angewöhnt, nicht nur mich sondern auch Wolfgang zumindest im Gesicht einzucremen.
Im Reiseführer ist die Bucht von Roccapina (der Löwe von Roccapina) eine Sehenswürdigkeit. An der Küstenstraße mit toller Aussicht entlang ist nicht zu übersehen, wo man am besten fotografieren kann. Die Autos stehen links und rechts und in Ausweichbuchten am Straßenrand. Uns bietet sich der Blick auf eine schöne Bucht und im Vordergrund, wie aus Stein gemeiselt, eine Riesenkatze auf einem Felsen. Einige Kilometer weiter besteht die Möglichkeit zu einem Strandplatz zu fahren und zum Löwen hochzuwandern. Also 1. war die Straße nicht breiter als grad unser schnucki, d.h. es darf dir KEINER entgegenkommen. Wenn doch, hast ein riesiges Problem, 2. eine staubige Piste natürlich mit Schlaglöchern, und 3. ich glaub wir wollten beide nicht unbedingt schon wieder wandern. Also gut fotografiert hab ich ihn, fahren wir weiter.
In Sartene wollen wir die Altstadt besichtigen. Die eingegebenen Koordinaten zu einem gebührenpflichtigen Parkplatz führt uns durch das eng gebaute, mit Autos verstopfte Städtchen. Also da durch hat Wolfgang das erste mal geschwitzt. Mit eingeklappten Spiegeln und hinaushängendem Oberkörper, ob sich das auch wirklich ausgeht, war das auch für mich nicht ohne. Das Städtchen, auf einem Hügel, na no na net, mit dem Place de la Liberation (das Herz Sartenes), einer Kirche, Bauernmarkt und winzigen blumengeschmückten Gässchen, ist bald besichtigt. Mit frischem Brot für das Mittagessen und einen aus Blech gefertigten Frosch mit einer Blume in der Hand für unseren Gartenteich, kehren wir zum Schnucki zurück. Jetzt nur nicht die falsche Abzweigung verfehlen, sonst müssen wir da wieder durch. Richtung Ajaccio. Passt.
Unser Weg dorthin führt uns wie immer nur durch grüne Wälder, weißen oder roten Felsen und engen kurvigen Straßen. Wir wollen heute auch was für unsere Gesundheit tun und fahren zu einem lauschigen Plätzchen in der Natur, zu den heißen Quellen von Caldane. Da gibt es drei ca. 6x2m große Becken, darin Ruhesteine und Kieselsteine am Boden. Nach dem Niedersetzen schaut grad mal noch der Kopf aus dem 37 Grad warmen Wasser. Nach 20 Minuten und rasten am Liegestuhl ist die Herrlichkeit um 5 Euro auch schon wieder vorbei. So, wir wollen wieder das Meer sehen. Also die nächsten Koordinaten zu einem Badeplatz. Also was uns dort erwartet hat, hätte ich nicht für möglich gehalten. So einen schönen Strand hab ich noch nie gesehen. Ich kann ihn nicht beschreiben. Dazu müsst ihr euch die Fotos anschauen. Es hat zwar ein sehr starker Wind geweht, wo wir Skitesurfern zugesehen haben und kaum eine Menschenseele zu sehen war, habe ich mich mit unserem Campingsessel auf die Reise bis dorthin gemacht, wo die letze Welle ihren Ausläufer hatte. Also erste Reihe fußfrei. Links und rechts war niemand zu sehen. Mit meiner riesigen weißen Sonnenbrille im Sessel habe ich ständig eine Brise Salzwasser abbekommen. Bis ich aus der Brille nix mehr rausgesehen habe, wurde mir nach gut 1 1/2 Stunden dann auch schon kalt. Eigentlich wollten wir dort auch gleich übernachten und es uns gerade gemütlich machen, als wir im Reiseführer gelesen haben, dass dort Camping verboten ist. Außerdem war uns nicht ganz wohl, weil doch weit und breit außer nix, gar nix ist. Gut, dann einen Campingplatz herausgesucht und los gehts. Kaum zu glauben, da fährt man mitten durch die Wildnis und plötzlich taucht ein Campingplatz auf. Aber nicht das man glauben könnte, na vielleicht ist der billiger, oder vielleicht findet den keiner und wir sind die einzigen. Nein, der ist gut besucht und kostet genauso viel wie alle anderen. Bleiben wir eine oder zwei Nächte? Machen wir das vom morgigen Vormittag abhängig? Wolfgang möchte gerne wieder schwimmen im Meer. Wenn der Wind aber so stark bläst ist es viel zu kalt. Kalte Küche und Abwasch. Anschließend ist die Entscheidung schon gefallen. Wir fahren morgen schon weiter. Die Duschen nicht wirklich sauber und die Toiletten sind zwar für Korsika riesig, aber, dass man gar nur das “korsische Toilettenpapier”, das man im Laden erst erwerben muss, verwenden darf, finden wir absolut nicht in Ordnung. Wir haben unser Häuschen mit, also bleiben wir da auch nicht. Bin schon gespannt, wie weit wir es morgen schaffen werden.
 

Dienstag, 14.6.2016

Wie immer werden wir gegen 7.30 Uhr munter. Nix wie zuerst zur Toilette und duschen zum Sanitärhaus. Also wenn ich nicht vorher zur Toilette gegangen wäre – spätestens nachdem ich die Dusche aufgedreht hatte, hätte ich mich angemacht. Das Wasser war KALT. Wieder mein Strandkleid übergezogen, mit Handtuch und Shampoo in die nächste Dusche. Na das glaub ich jetzt aber nicht. Wieder kommt nur kaltes Wasser. Das Spiel habe ich vier mal durchgezogen, dann war es mir zu blöd. Ohne duschen und Haare waschen zum Schnucki zurück. Der Waschlappen tuts für heute auch. Für eine Nacht 23,- Euro dann noch zu verlangen, das ist die reinste Abzocke und der Campingplatz einfach nicht wert. Brot fürs Frühstück hab ich auch noch gebraucht. Ich hab ein Foto gemacht. Ein halber Toast hat drei Euro gekostet. Wucher. Zu Hause würde ich das sicher nicht kaufen.
Der gewohnten Küstenstraße entlang kommen wir bei vielen Aussichtspunkten vorbei. Bei einem Strandabschnitt in Verghia warnt man mit einem Schild vor Kühen. Unser Kommentar dazu “unseren Würsteln begegnen wir jetzt schon am Strand”. Eigentlich hatten wir vor bis zum Leuchtturm bei Ajaccio zu fahren. Dort zu übernachten und morgen früh den Markt besuchen. Kurz vor der Abzweigung entschieden wir aber dann in die entgegengesetzte Richtung (Hauptstadt – Corte) zu fahren. Nach etwa 40 km erreichen wir die Schildkrötenfarm “A Cupulatta” mit 130 verschiedenen Schildkrötenarten. Zum Teil gab es auch eine Übersetzung in die deutsche Sprache. Eine wirkliche Seltenheit. Nachdem der heutige Tag auch schon zu Ende ging war unser Übernachtungsplatz dann nur ein paar Minuten entfernt beim Bahnhof Carbuccia, wo nachts angeblich keine Züge fahren. Na ich bin gespannt.
 

Mittwoch, 15.6.2016

Um 6.30 Uhr ist der erste Zug durchgebraust. Wir wollen heute mit dem Zug fahren. Die Strecke zwischen Corte und Vizzavone  soll der schönste Streckenabschnitt sein. Auf dem Weg nach Corte bleiben wir noch bei einen Wanderparkplatz stehen wo man zum Wasserfall “Cascada de Anglais” raufwandern kann. Wir dürfen aber nicht länger als eineinhalb Stunden dafür benötigen, sonst geht sich unsere Zufahrt nicht aus, die wir nicht versäumen wollen. Rein ins Gwand und Wanderschuhe, die auch schon einen besseren Abstellplatz im Womo gefunden haben, und es geht aufwärts. Nur ein kurzes Stück dann geht alles bergab. Dass muss ich alles wieder retour? Na bumm. Durch schöne Waldstücke und gleich darauf über ein Felsenmeer, so präsentiert sich unsere Wanderung. Ohne ein Bad in einer Badegumpe genommen zu haben, tolle Fotos geschossen, wandern wir über eine Ruine zum Schnucki zurück. Eigentlich wären wir jetzt schon wieder erledigt. Für die weitere Fahrt nach Corte sagt der Reiseführer, dass man für 30km eine gute Stunde braucht. Für uns hat diese Zeitangabe, die wie üblich kurvige aber sehenswerte Strecke, nicht ausgereicht. Nach dem Ticketkauf (Hin- und Retourfahrticket) war ein Kaffeetscherl und ein leckerer alter Kuchen um 12 Uhr unser Mittagessen. Na servas, sooo viele Leute am Bahnhof. Die Diesellok rollt nicht gerade pünktlich in den Bahnhof ein. Schnell, dass man der Erste im Waggon ist und den nächstbesten Sitzplatz ergattert. Na bitte, sogar in Fahrtrichtung. Bei der Abfahrt fühlt es sich an wie im Flugzeug. Man wird in die Sitze gedrückt und die Lok fährt eigentlich recht flott dahin, was man nicht vermuten würde. Außerdem muss sie 510m Höhenmeter bis Vizzavone gewinnen. Die Bahn überquert Schluchten, fährt langsam durch enge Felswände, durch einige Tunnels und streift sogar Gebüsche. Die Aussicht ist herrlich. Nach einer guten halben Stunde sind wir in Vizzavone. OK, was jetzt? Na wandern. Wir haben ja die Bergbremser in guter Vorsicht nicht verstaut. Ein Stück am GR20 in die eine Richtung, dann in die andere Richtung und dann hab ich auch noch eine Wanderung zu einer Höhle gesehen, die ich suchen musste. Wir hatten 2 1/2 Stunden Zeit, die musste genutzt werden. So, aber jetzt freuen wir uns schon auf die Rückfahrt im Zug. Endlich sitzen, wir sind voll erledigt. Natürlich rechtzeitig am Bahnhof zurück konnte ich die Diesellok grad noch fotografieren als sie aus dem Tunnel in den Bahnhof einfährt. Oh mein Gott, der ist ja jetzt schon voll besetzt. Und da sollen auch noch die vielen Wanderer, die am Bahnsteig stehen noch reingehen? Und ich dachte, ich krieg einen schönen Sitzplatz wieder zum fotografieren. Pustekuchen, alle wollen mit. Wie Sardinen geschlichtet stehen wir jetzt die nächsten 6 Stationen. Sind ja nur 33km. Endlich zurück wartet unser Schnucki schon auf uns. Auch für den nächsten Schlafplatz sind die Koordinaten schnell eingegeben. Zu einem Stausee in Sidome zeigt uns unsere Tussi 20km an. Was aber Wolfgang noch nicht weiß, ist, dass es sich um eine Straße mit “roten Fragezeichen”  handelt. Das heißt mit ziemlicher Sicherheit, eng, kurvig, schlechte Piste und daher Scheiße zu fahren. Wolfgang meistert auch diese Strecke mit Bravour. Nur bei einem entgegenkommenden Lastwagen musste er zurückschieben. Man hat das Gefühl, er nimmt das sehr gelassen. Eine ganze Stunde haben wir dafür benötigt. Aber wir sind angekommen. Auch zwei andere Womo Fahrer haben mit dem gleichen Reiseführer dieses schöne Platzerl am See entdeckt. Hier wollen wir morgen ausspannen, die Ruhe genießen, nixtun und erst am Freitag weiterfahren. Aber dann müssen wir einen Campingplatz aufsuchen sonst geht das WC über.
So sehr sich auch Wolfgang gegen das Freistehen gewehrt hat, umso schöner sind die Plätze dann auch noch ganz abgelegen und sehr ruhig.
 

Donnerstag, 16.6.2016

Ein erholsamer heißer Tag am Stausee in Sidome wird mit einem Gewitter beendet damit leider auch das gemütliche Beisammensitzen mit deutschen Womo Nachbarn beim Lagerfeuer.
Das Kommen und Abfahren von anderen Womos wird von uns beobachtet, genauso wie eine Herde halbwüchsiger Ferkeln, die meinen selbstgebackenen Hefezopf natürlich sofort gerochen und uns belagert haben. Auch drei Kühe mit zwei kleinen Kalberln traben immer wieder vorbei. Ein Womo Nachbar macht auf seinem Griller Feuer, wo wir auch gleich unsere Würstel bruzzeln lassen können und Wolfgang war zwei Mal im eiskalten See schwimmen. Nur die Berührungen auf den Händen sagt mir schon, dass das Wasser nicht mehr als 10 Grad haben kann (ich kann furchtbar schlecht schätzen). Außerdem habe ich einen guten Tipp bekommen, wenn man sich abkühlen möchte ohne in das eisige Wasser schwimmen gehen zu müsse. In den Schraubverschluss einer großen Plastikflasche Löcher bohren, in die Sonne legen und fertig ist die Außendusche. Das wird sicher ausprobiert.
Plötzlich, am späten Nachmittag glaubt man, jetzt ist alles zu spät, die Welt geht unter. Unter ohrenbetäubendem Geräusch fliegen drei Düsenjets sehr tief über das Tal hinweg.
Ach ja, mein Fotoapparat ist kaputt. Hat einfach den Geist aufgegeben. Jetzt muss ich mit meinem Handy die Fotos machen. Na hoffentlich wird das was.
Und zum x-ten Mal habe ich unsere weitere Route geändert. Morgen früh fahren wir einen Campingplatz bei Evisa an. Von dort soll’s dann in die Spelunca Schlucht gehen. Mit einem Wort eine Wanderung steht wieder bevor.
 

Freitag, 17.6.2016

Gleich nach einem Häferl Kaffee fahren wir wieder los und lassen den See kurvenreich bis Evisa hinter uns. Im Schnucki hat es sich angehört, wie wenn ständig im hinteren Bereich was ausgeschüttet wird. Und gestunken hat es noch dazu. Hoffentlich ist die WC-Kassette dicht, sonst schwimmen wir im Bad aber nicht gerade im frischen Wasser. Keiner geht nach hinten, keiner will es im Moment wissen, aber es wird dauernd durchgelüftet. Um 8.30 Uhr ist der Campingplatz noch nicht offen. Tja, in Korsika ticken die Uhren eben anders. Kurz darauf checken wir mit einem Reisepass ein, bezahlen gleich im voraus, weil wir nur eine Nacht bleiben wollen und suchen uns ein nettes Platzerl. Um zu diesen netten Platzerl auch hinzugelangen muss ein kurzer Weg bergab gefahren werden. Na der ist aber sehr schmal. Auf der einen Seite Sträucher und oh Gott auf der anderen Seite steht ein Baum. Das geht sich nicht aus in der Höhe. Kaum habe ich es mir gedacht und mit den Händen gewachelt, ist es auch schon zu spät. Und schon fehlt das hintere obere Begrenzungslicht samt Lamperl. Na das hat sich jetzt wieder ausgezahlt. Der Campingplatz ist sehr empfehlenswert, ist er doch der bis jetzt günstigste um Euro 23,80 für 2 Personen, Womo und Strom.
Für heute haben wir eine Wanderung geplant. Ist ja nix dabei. Wir gehen zum Ort Evisa, durchqueren diesen, lassen den Friedhof hinter uns und biegen dann zum Einstieg in die Spelunca Schlucht ab. Bis dorthin auf der Straße waren wir schon mal 45 Minuten unterwegs. Dann ging alles bergab. So wie es sich in Korsika gehört nur Steine, Geröll und Felsen. Bis wir bei der Zusammenkunft von zwei Flüssen und der Schlucht angekommen sind, vergehen ganze zwei Stunden. Also rauf geh ich das sicher nimma. Ich schwitze schon beim runtergehen wo wir fast ausschließlich im Wald unterwegs waren. Also gut, nicht zurück. Irgendwo habe ich was von einem Taxi gelesen. Komisch da kommen nicht mal Parkplätze. Die Zeit vergeht, wir machen schöne Fotos mit dem Handy, und sind auf dem Weg nach Ota. Dorthin müssen wir aber natürlich wieder rauf gehen. Der Weg ist aber eindeutig besser zu erwandern.  Eineinhalb Stunden später kommen wir völlig fertig in Ota an. Wir haben nicht lange suchen müssen bis wir ein Lokal gefunden und uns was zu trinken geleistet sowie ein Taxi bestellt haben. Wir mussten dafür zwar 50 Euro berappen, aber das war es mir wert. Nach Auskunft des Taxilenkers ist die Strecke 25 km lang. Ich konnte mir aber gleich mal anschauen, wo Wolfgang morgen früh überall stehen bleiben wird müssen zum schauen und fotografieren. Leider ist sich der Kauf von Bier für Wolfgang sowie Tomaten und Mozzarella für mich nicht mehr ausgegangen. Endlich aus den Wanderschuhen. Die kleine Zehe tut mir jetzt schon richtig weh, nachdem mir jemand beim Tanzen draufgestiegen ist. Hoffentlich ist sie nicht gebrochen. Aber sie ist ganz dick angeschwollen. Aber bis zum Ende des Urlaubes muss ich das noch aushalten. Morgen in einer Woche müssen wir schon wieder die Insel verlassen. Bis dahin hab ich aber noch jede Menge am Programm stehen. Morgen müssen wir wieder zeitlich abfahren, da die Calanche (Höhepunkt einer Reise durch Korsika, das man nicht versäumen sollte zwischen Porto und Piana) am besten am zeitlichen Vormittag oder späten Abend am besten zu durchfahren ist. Dazu aber morgen Abend mehr. Bussi und Gute Nacht.
 

Samstag, 18.6.2016

Der heutige Tag war nicht unser Bester.
Aber gesagt, getan fahren wir auf der D81 über Porto und Piana mit einem Zwischenstopp bei einem Brunnen zum wasserfassen, durch die Calanche durch. Was ist die Calanche? Märchenhafte Steingebilde (aus rostrotem Stein) in Tafonibildung, die einen langen Verwitterungsprozess durch Wind, Regen und Temperaturschwankungen hinter sich haben. Durch diesen Prozess ergibt sich ein grandioses Felsenchaos aus dem man dann vertraute Formen erkennen kann, wie z.B. “das Herz der Liebenden”, “den Bischof”, “das Felsenschloss”, “Adler”, “Schildkröte” oder Hundekopf”. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.
Parkbuchten zum Ausweichen und Stehenbleiben gibts nicht gerade in rauher Menge. Deshalb werden Fotos auch aus dem Auto gemacht.
Im kleinen Dorf Piana biegen wir zum Wanderparkplatz Capu Rosso, einen der vielen Genuesentürmen, ab. Dieser Wanderweg soll einer der aussichtsreichen auf der Insel sein. Den beschriebenen Tourenverlauf konnten wir zwar nicht vom Parkplatz aus sehen aber den Turm, wo 520 Höhenmeter überwunden werden müssen. Zuerst wussten wir schon mal nicht, wie wir am besten am Parkplatz stehen bleiben sollen, weil der gar so schief lag. Im Womo musste man sich anhalten. Dann habe ich zu wenig Wasser mitgenommen und erklommen haben wir ihn auch nicht ganz. Kurz vor dem steilsten Stück haben wir umgedreht. Außerdem hat mein Kreislauf verrückt gespielt. In der Früh war ich schon zittrig und dann sind wir erst gegen Mittag in der prallen Sonne ohne Kapperl wegmarschiert. Nach drei Stunden zurück hab ich mal einen dreiviertel Liter Wasser gebraucht und war bis auf die Unterhose durchgeschwitzt. Anschließend wollten wir nur mehr ein ruhiges Platzerl wieder anfahren und chillen. Richtung Cargese fahren wir einen Badeplatz zwischen einer Flussmündung und einem weißen Sandstrand an. Mit einer unsicheren Beschreibung aber informativen Tussi finden wir auch dorthin. Aber ich glaube, wenn wir vorher gewusst hätten wie diese Piste aussieht, wären wir woanders hingefahren. Von eng, staubig, sehr holprig über eine Schotterstraße und Baumwurzeln wurde unser Schnucki von allen Seiten zerkratzt. Es tat uns jedesmal weh, wenn Wolfgang nicht mehr ausweichen konnte. Wie werden wir unser Schnucki hinstellen, damit wir einerseits keinen Wind und andererseits die aufgehende Sonne in der Früh genießen können. Ich fuchtel wieder einmal herum, wo Wolfgang stehen bleiben kann, da versinkt er auch schon im Sand. Gschwind raus mit viel Gas und trotzdem Gefühl. Na Gott sei Dank, das hätte schlimm ausgehen können. Trotzdem schönes Platzerl mit Aussicht auf die Mündung, das Meer und den organisiertem Trubel auf der anderen Flussseite. Auch hier könnte man, das Wort liegt auf könnte, sich auch vorstellen ein paar Tage zu bleiben, man darf nur nicht das Wohnmobil mit Schuhen dann mehr betreten. Sooooo viele Ameisen hab ich schon lange nicht mehr gesehen. Wolfgang war schwimmen, danach haben wir es uns auf unseren neu erworbenen Liegestühlen mit Fussteil gemütlich gemacht. Da sind die blöden Viecher nicht raufgekraxelt. Kaum hat man aber die Füße runtergestellt haben die schon gebissen. Hoffentlich haben wir keine mit hineingenommen.
Der Hunger hat natürlich auch nicht lange auf sich warten lassen. Ich habe eine große Dose Gulaschsuppe für mindestens zwei Tage mit. Diese muss man aber mit einem Dosenöffner aufmachen. Wolfgang macht das schon und vergessen hab ich den Öffner ja auch nicht. Der wurde extra hergerichtet. “So ein Klumpert, den kannst gleich weghauen, der Öffner funktioniert nicht”, war die Antwort von Wolfgang, als ich ihn gefragt habe, was los ist. “Und wie kriegen wir den Deckel jetzt auf?” Mir kommt ein grinsen übers Gesicht. Ich mach mir keine Sorgen, dass er auch dafür einen Ausweg findet. Man glaubt es kaum. Nachdem er seinen großen Werkzeugkoffer nicht gerade mit Freude hervorgeholt hatte, fragte ich mich, was das wohl jetzt werden wird. Mit Hammer und Schraubenzieher fummelt er auf dem Deckel herum, bis es offen war. Sag ich doch, ich hab einen Alleskönner zu Hause.
Nachdem wir hier nicht bleiben wollen geht die Reise morgen in den Norden Richtung Calvi weiter. Wir werden wieder durch die Calanche fahren. Diesmal werden wir aber organisierter vorgehen. Schau ma mal obs funktioniert.
In den letzten Tagen haben wir schon mal davon gesprochen. Uns geht der Fernseher, die Nachrichten oder das Radio überhaupt noch nicht ab. Obwohl wir CDs von Sabine mitbekommen und uns auch genügend Lieder auf einen Stick gespielt haben, sitzen wir doch fast immer bis gegen 20 Uhr draußen, dann schreibe ich meinen Bericht vom Tag, lesen dann noch und fallen anschließend müde ins Bett.
 

Sonntag, 19.6.2016

Nix mit Frühstück. Bei so vielen Ameisen. Nein danke. Wir sind schon sehr früh heute munter und packen auch gleich alles zusammen. Damit unser Womo nicht noch mehr zerkratzt wird gehe ich mit unserer langen Kurbel voraus um die kratzenden Sträucher auf die Seite zu halten. Na bitte, klappt ja wunderbar. Kurz nach der Ortstafel Piana und Einfahrt in die Calanche halte ich es auf meinem Sitz nicht mehr aus. Ich muss raus. Ich gehe die Calanche zu Fuß durch. Wolfgang wartet irgendwo bei einer Ausweiche oder wo er gerade einen Parkplatz findet. Herrlich diese Ruhe, ich kann mich umschauen, stehenbleiben und fotografieren was ich möchte. Es ist noch kaum jemand unterwegs. Kurz nach Porto halten wir am Strand bei Bussaglia zu einem ausgiebigem Frühstück mit Eierspeise, Wurst, Marmelade, Brötchen und Kaffee. Auf unserem weiteren Weg zum Campingplatz La Morsetta ist die Straße äußerst kurvenreich mit steilen rostroten Felswänden und zum Teil sehr sehr schmal. Also wer meint, dass die Calanche furchtbar eng zu fahren ist, der war auf dieser Strecke noch nicht unterwegs. Am Straßenrand finde ich immer wieder dunkelrote Pelargonien. Am Strand bietet sich uns ein ganz anderes Bild. Er besteht aus lauter kleinen braunen, violetten, roten, gelben und grünen Kieselsteinen von Erbs- bis Faustgröße. Natürlich muss ich da welche sammeln. Gemütlich setzte ich mich in den Kieselstrand. Sticht nicht, kratzt nicht und macht noch dazu auch nicht schmutzig. Dabei fällt mir auf, wie viele Varianten es gibt: hell und dunkel. Gestreift, marmoriert, gepunktet und gefleckt. Kein Steinchen gleicht dem anderen. Gut 3 Stunden verbringe ich am Strand, wo ich zwei Schüsserln Kieselsteine (für Sabine und mich), und einen Sonnenbrand mit zum Schnucki zurück nehme. Durch den Wind und die Sonne ist mir das gar nicht aufgefallen. Es war eher kühl als heiß.

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